Eigenschaften des Polski Owczarek Podhalanski


 

 

 Verhalten von Herdenschutzhunden

 

Herdenschutzhunde sind hoch territorial, defensiv verteidigungsbereit, selbständig und sehr intelligent. Zeigt ein Hund dieses Verhalten nicht, ist er entweder noch zu jung  oder er ist auf fremdem Gebiet. Außerdem haben sie eine sehr hohe Reizschwelle, das heißt, bevor ein Herdenschutzhund reagiert, muss relativ viel passieren. Das macht sie zum einem zu wunderbaren Familienhunden mit sehr viel Geduld gegenüber den Kindern, bedingt aber auch, dass ein Herdenschutzhund bei einem Kommando nicht gleich aufspringt und "Gewehr bei Fuß" steht, denn auch ein Kommando ist nur ein Reiz.

Wie verhält sich ein Herdenschutzhund auf fremdem Gebiet?

Dadurch, dass ein Herdenschutzhund so territorial ist, vermeidet er es nach Möglichkeit, selbst auf fremdes Territorium zu geraten. Ist er dennoch dazu gezwungen, so zeigt er deutliche Beschwichtigungssignale (klein machen, weg schauen, über die Lefzen lecken), drückt sich möglicherweise in ein Eck und getraut sich nicht, sich auf dem Terrain zu bewegen. Sobald es geht, wird er das Territorium des anderen verlassen. Kann er das nicht, steht er unter hohem Stress. Dieses Beschwichtigungsverhalten zeigen alle Herdenschutzhunde, unabhängig davon, ob sie ranghoch oder rangniedrig sind. Es dient der Vermeidung eines kämpferischen Konflikts mit dem nach Meinung des Herdenschutzhundes massiv verärgerten Territoriums Besitzer, denn genau so würde er selbst sich fühlen, wenn ein fremder Hund sein Territorium betritt. Gehört das Gebiet keinem bestimmten anderen Hund, so zeigen sich gut sozialisierte Herdenschutzhund souverän und ausgeglichen mit wenig Interesse an anderen Hunden oder Menschen

Wie verhält sich ein Herdenschutzhund auf dem eigenen Gebiet?

Wenn er gut sozialisiert ist und in einer klaren Beziehung zu seinem Besitzer lebt, wird der Herdenschutzhund, wenn sein Besitzer zuhause ist, den/das Fremde(n) melden und warten, dass sein Herrchen das Kommando übernimmt und entscheidet, was zu tun ist. Darf der Fremde herein, trollt sich der Herdenschutzhund in der Regel nach kurzem Beschnüffeln und interessiert sich nicht mehr dafür. Berühren sollte ein Fremder einen Herdenschutzhund niemals, außer der Hund fordert ihn deutlich dazu auf. Aber das gilt eben auch für alle anderen Hunde. Ist der Herdenschutzhund unzureichend sozialisiert oder der Status seines Besitzers unklar, so wird der Herdenschutzhund auch hier melden, sich allerdings nicht von seinem Besitzer leiten lassen, sondern das Heft in der Hand behalten. Die Möglichkeiten reichen hier vom Stellen des Besuchs über das Verfolgen bis hin zum Umwerfen und mit den Pfoten auf der Brust fixieren. Wehrt sich der Besuch, so kann der Hund eventuell auch zuschnappen. Ist der Herdenschutzhund alleine zuhause, so wird er dem Fremden den Zutritt verwehren oder ihn - wenn er aufs Grundstück gelangt ist, bevor der Hund ihn bemerkt hat - stellen und jede Bewegung des Fremden verhindern. Aktiv angreifen oder gar in Beschädigungsabsicht zubeißen wird er - sofern er nicht schwer verhaltensauffällig ist und der ungebetene Besuch defensiv-beschwichtigend reagiert - niemals. Allerdings wissen nicht alle Leute, wie man sich defensiv-beschwichtigend verhält, weshalb es angebracht ist, deutliche Warnschilder anzubringen. Aber auch das gilt für alle großen Hunde.

Wie verhält sich ein Herdenschutzhund beim Tierarzt?

Im Prinzip wie bei anderen Fremden auch: Er mag keine Berührungen und besteht auf einem gewissen Abstand - was naturgemäß Behandlungen dann doch etwas erschwert. Es ist daher von großer Wichtigkeit, dass schon der kleine Herdenschutzhund lernt, dass der Tierarzt - und auch etliche andere Menschen - Freunde sind und er sich anfassen lässt, zumindest wenn der "Chef" dabei ist. Da Tierärzte häufig negativ besetzt sind - wie der Zahnarzt für mich - empfiehlt es sich, ihn mehrfach aufzusuchen und die Besuche positiv zu besetzen. Aber auch das gilt für alle Hunde. Hier mit Leckerlis zu arbeiten ist zwar eine tolle Idee aber merke ein HSH ist unbestechlich. Hat man einen Hund, der das nicht gelernt hat oder muss man zu einem neuen Tierarzt, so empfiehlt es sich, den Hund zu sedieren (zuhause schon) und ihm einen Maulkorb anzulegen. Man selbst ist dann selbstsicherer - was sich auf den Hund überträgt - und der Hund kann ggf. tatsächlich nicht schnappen.

Wie verhält sich ein Herdenschutzhund im Konfliktfall?

Herdenschutzhunde gehen Konflikten aus dem Weg, solange es irgend geht. Lässt sich eine körperliche Auseinandersetzung nicht mehr vermeiden, kämpft der Herdenschutzhund zunächst nach Sumo Ringer-Manier: Mit vollem Körpereinsatz versucht er, den Gegner niederzudrücken, ohne ihn zu verletzen. Beißt der Gegner jedoch zu, ist beim Herdenschutzhund der Ofen aus: Zubeißen ist bei Herdenschutzhunden die aller letzte Möglichkeit - die Atombombe sozusagen. Zündet der Gegner eine, ist auch der Herdenschutzhund nicht mehr zu halten. Auseinandersetzungen unter Rüden sind sehr körperbetont, sehr laut und mächtig beeindruckend - passieren tut in der Regel nichts. Weder dem einen, noch dem anderen.

Spielverhalten des Herdenschutzhundes

Wie auch im Konfliktfall, so ist auch das Spielverhalten des Herdenschutzhundes sehr körperbetont: Anlauf nehmen, den Gegner um rempeln, aufsteigen (mit den Pfoten jeweils auf den Schultern des Gegenübers), all das fällt für einen Herdenschutzhund in die Rubrik "Spielen". Und dazu braucht er natürlich einen passenden Kumpel. Hunde, die ein anderes Spielverhalten haben, verlieren gewöhnlich nach sehr kurzer Zeit die Lust, mit einem Herdenschutzhund zu spielen oder bekommen gar Angst bzw. werden aggressiv, und dann kippt das Spiel in eine ernste Auseinandersetzung.

Welche Konfliktsituationen mit anderen Hunden kann es geben?

Schnell eskalierende Konflikte entstehen üblicherweise immer dann, wenn ein anderer Hund die Sprache des Herdenschutzhundes nicht versteht und umgekehrt. So ist es für einen Herdenschutzhund ein absoluter Affront, wenn jemand einfach so durch sein Territorium spaziert - für Meute Hunde z.B. den Beagle ist das aber etwas völlig Normales. Dann scheppert es oft, wenn das Gegenüber eine deutlich submassive Körperhaltung zeigt, sich dabei aber dominant benimmt. Das ist bei Schäferhunden oft der Fall, denen das submassive Aussehen an gezüchtet wurde. Ein weiterer "Turbo Booster" für hoch eskalierende Konflikte ist das Zubeißen des Gegenübers. Es gibt eine Vielzahl an Hunderassen, die schon mal zubeißen, um sich "Gehör" zu verschaffen, es aber gar nicht sooo ernst meinen. Wenn ihr Gegner dann ein Herdenschutzhund ist, heißt das für den "Kampf bis zum Letzten" und das zieht er dann auch durch. Weshalb der junge Herdenschutzhund unbedingt lernen muss, dass es viele andere Hunde gibt, die eine andere Sprache sprechen als er selbst. Am einfachsten geht das durch das Zusammenleben mit solchen Hunden. Geht das nicht, sollte man zumindest in der Sozialisationsphase des jungen Hundes täglich Freunde mit Hunden bemühen, einem da unter die Arme zu greifen.

Übrigens provoziert der Herdenschutzhund ungewollt auch selbst: Durch der über den Rücken getragen Rute, seinen schreitenden Bewegungsablauf (=> Passgang) und seine Mähne. All das ist unter Hunden ein deutliches Anzeichen für "auf Krawall gebürstet sein".

Herdenschutzhunde sind pauschal eben keine idealen Haus- und Familienhunde, es sind Caniden der besonderen Art.

 

 

   
© Claudia Weber Überarbeitet seit 2010