Eigenschaften des Polski Owczarek Podhalanski


 

Ein paar Worte vorweg

Wer einen Hund sucht, der auf das erste Wort hört, ist beim Polski Owczarek Podhalanski (Podhalaner) völlig falsch. Wer aber einen treuen Begleiter sucht, der ist beim Podhalaner auf jeden Fall an der richtigen Adresse.

Der Podhalaner ist ein eigenständig denkender Hund, der eine liebevolle aber konsequente Erziehnung braucht. Egal was er auch tut, sei es beim Spazierengehen Leute anbellen, es muß unterbunden werden. Sein Verhalten niemals ins lächerliche ziehen, so lustig es auch ist. Der Bindungsaufbau ist dabei sehr wichtig, gerade auf Spaziergängen! Der Besitzer muß die interessante Person sein. Bitte denken Sie auch an den angeborenen Schutztrieb, den der Herdenschutzhund mitbringt. Da bleibt das Bellen auch nicht aus. Auch da muß dran gearbeitet werden.

Oh und noch etwas: Der Podhalaner braucht die Erziehung sein ganzes Leben lang. Und die Besitzer brauchen viel Geduld.

Eigenschaften

Entsprechend seinem ursprünglichen Aufgabengebiet und den dazugehörigen rauen Lebensbedingungen ist der Polski Owczarek Podhalanski (Podhalaner) äußerst unempfindlich. Seine Fellpflege ist unproblematisch. Zudem wird man bei diesen ursprünglichen Rassen, die sich bei Wind und Wetter mit Begeisterung im Freien aufhalten, häufig mit dem Fehlen des typischen Hundegeruches überrascht. Der Podhalaner ist unter anderem ein voll kontakt Hund, beim spielen , wie auch beim schmusen in der Familie. Eine weitere Besonderheit der Podhalaner ist ihre Anspruchslosigkeit in Bezug auf die Ernährung. Aufgrund des Nahrungsangebotes in ihren Ursprungsländern, das eher als kärglich bezeichnet werden kann, hat sich ein Hunde Typ entwickelt, der sich an eine proteinarme Ernährung angepasst hat und aus einem minimalen Nährstoffangebot das Maximum an Energie herauszuholen vermag. Dies sollte bei der Fütterung berücksichtigt werden, da diese Hunde auf eine Überversorgung an tierischem Protein oft mit allergischen Reaktionen wie Hautproblemen reagieren. Hier ist eine ausgewogene, proteinarme Ernährung für das Wohlbefinden des Hundes unerlässlich. Nicht wenige Herdenschutzhunde sind geradezu gierig nach Milchprodukten (Joghurt, Quark, Kefir) und Getreideprodukten (Brot, Nudeln, Reis).....

Wird ein Podhalaner als Familienhund gehalten und bekommt wenig Möglichkeit, seinen ursprünglichen Instinkten zu folgen, z.B. hat er wenig Möglichkeit zum ausgiebigen Auslauf, kann er kein "Revier im Auge behalten" und wird nicht ausreichend in die Familie integriert bzw. entsprechend beschäftigt, kann dies böse Folgen haben.

Überlässt man einen Podhalaner in freier Natur weitestgehend unkontrolliert sich selbst, bzw. wird er unsachgemäß nicht seinem Wesen entsprechend aufgezogen, können sich seine "positiven Grundlagen" sehr schnell zu schlechten Eigenschaften entwickeln.

So gibt es heute Podhalaner, die mit viel Freude allem hinterher jagen, was sich bewegt und somit unkontrolliert von ihrer "Herde" wegbewegen. Aufgrund ihrer hohen Selbständigkeit und ihrer starken Freiheitsliebe kann es dann einige Zeit dauern, bis sie sich wieder zu ihrer "Herde" begeben. Hier ist die starke Kontrolle durch den Halter dringend gefordert. Hat man den "Vertrauensaufbau" einmal geschafft, dann hat man einen wunderbaren Begleiter an seiner Seite, der durch seine Ursprünglichkeit, seine hohe Selbständigkeit, sein feinfühliges Wesen sowie seine ausgeprägte Persönlichkeit besticht.

Charakteristisch ist das Verhalten der HSH:
 Mißtrauen gegenüber allem Fremden, eigenständiges Handeln,
 blitzschnelles Umschalten aus ruhigem, phlegmatischem Verhalten in eine
höchste Alarmbereitschaft,
 eine Verteidigungsbereitschaft und massives Bellverhalten bei Gefahr,
 territorial motivierte Angriffsbereitschaft besonders mit Einbruch der
Dämmerung.

Hundehalter haben die Pflicht, vorausschauend in die Zukunft zu planen (regelmäßiger Kontakt zu Nachbarskindern und Freunden der Familie, regelmäßiger Besuch von gemischten Welpengruppen, regelmäßige Duldung von Vertrauten der
Familie im Pkw, Nachbars Katze oder Kleingetier, Mofas, Skateboards, Fahrräder, Postbote, Schornsteinfeger, Lebensmittellieferant etc.). Wir unterstreichen diese Notwendigkeiten, weil wir wissen, daß ein eventueller territorial motivierter Angriff auch nicht vor der zuvor dem Herdenschutzhund unbekannten Schwiegermutter halt
macht. Überhaupt ist der Schutz des Territoriums zentraler Bestandteil eines Herdenschutzhundelebens. Sie begegnen allem außerhalb der Routine stehendem mit großem Mißtrauen, so daß an dieser Stelle von Schutzdienstarbeit  dringend
abgeraten werden muß.Die Gewöhnung an vielfältige Routineabläufe in der Jugendentwicklung mindert dasa nsonsten massiv aufgezeigte Bellverhalten. Da sich Verhaltensweisen erst formen müssen und noch keiner festgefahrenen Etablierung unterliegen, kann die Alarmbereitschaft eines Herdenschutzhundes durchaus gelenkt werden.Dabei ist die eingenständige Handlungsbereitschaft dieser Tiere nochmals zu unterstreichen. Wer Sandkasten oder Schaukel der Kinder im Vorgarten nahe des Eingangsbereiches plaziert,darf sich über eine extrem ausgeprägte Verteidigungsbereitschaft seines,,Schafshundes" nicht wundern. Die als besonders schutzwürdig erachtete "Reproduktion" im Sinne von Nachwuchs in der Sozialgemeinschaft läßt grüßen."Aufmerksamkeitsverhalten" wird zwischen vier und vierzehn Wochen gelernt, wenn der Herdenschutzhundwelpe seinen Sozialverbund formt (Coppinger, 1995)

Weitere Informationen lesen Sie unter " Verhalten"

Ketten- und Zwingerhaltung sind ein Thema, das diesem Hund extrem schadet. Hierfür gibt es Hunde, die damit viel leichter klarkommen. Ein Podhalaner an der Kette und im Zwinger verkümmert seelisch und wird extrem aggressiv.

 Wichtige Hinweise

  • Füttern Sie Ihren Hund niemals mit dem, was Sie gerade essen oder gegessen haben. Füttern Sie Ihren Hund immer, nachdem Sie selbst gegessen haben! Erklärung: Das ranghöchste Tier frisst im Rudel immer zuerst und gibt niemals freiwillig Futter ab.
  • Lassen Sie Ihren Hund nicht selbstständig bestimmen, wo und wann er auf Ihren Möbeln (Sofa, Teppiche, Bett etc.) liegt und schläft. Bestimmen Sie selbst, wie viel Platz ihm zusteht. Am besten weisen Sie ihm einen festen Platz (Körbchen) zu. Stellen oder setzen Sie sich selbst gelegentlich auf diesen Platz. Erklärung: Das ranghöchste Tier, in diesem Falle also Sie, bekommt immer den besten Schlafplatz. Der Ranghöchste hat das Recht, sich überall aufzuhalten und seine Lieblingsplätze sind für das rangniedrigere Tier, in diesem Falle Ihr Hund, tabu.
  • Bürsten Sie Ihren Hund täglich, ob es nötig ist oder nicht. Gestatten Sie Ihrem Hund nicht, erfolgreich Ihre Beachtung zu erheischen. Zeigen Sie nur auf Ihre eigene Initiative Zuneigung. Lassen Sie sich nicht von Ihrem Hund zum Spielen drängen! Erklärung: Nur der Ranghöchste hat das Recht, sich jederzeit aufzudrängen. Sie bestimmen ganz allein, wann geschmust und gespielt wird.
  • Lassen Sie sich von Ihrem Hund während des Spielens nicht kneifen und beißen! Brechen Sie das Spiel sofort ab und ignorieren Sie Ihren Hund eine Zeit lang. Erklärung: Jeder Hund muss lernen, seine Beißkraft unter Kontrolle zu halten. Lassen Sie sich außerdem nicht auf eine körperliche Rangelei ein. Ihr Hund könnte, je nach Größe und Kraft, sehr schnell merken, dass Sie ihm unterlegen sind und wird gegen Ihren ranghöheren Status rebellieren.
  • Wenn Sie und Ihr Hund durch eine Türe gehen, gehen Sie immer zuerst! Ihr Hund muss Ihnen den Vortritt lassen! Üben Sie es anfangs zur Not mit einer Leine. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, dass Ihr Hund einmal vor Ihnen durch eine Tür muss, dann geben Sie unbedingt ein entsprechendes Kommando ("Tür voraus" oder ähnliches). Erklärung: Der Chef geht immer zuerst und allen voran!
  • Steigen Sie nicht über Ihren Hund oder um ihn herum, wenn er im Weg liegt oder steht. Lassen Sie ihn Platz machen. Erklärung: Für den Ranghöchsten macht jeder im Rudel sofort Platz.
  • Wechseln Sie beim Spaziergang öfter die Richtung, auch, wenn Ihr Hund damit nicht einverstanden ist. Erklärung: Der dominante "Hund" führt immer!
  • Üben Sie unbedingt täglich das Hunde-Einmal-Eins. Erklärung: Ihr Hund lernt hierdurch, Sie zu respektieren.

 


 

Allgemeines

Ein gut erzogener Hund ist eine Freude für den Halter und für die Mitmenschen. Der ideale Hund kommt, wenn man ihn ruft, egal ob Wild, Katzen, Autos, Radfahrer, Pferde, Jogger oder andere Hunde da sind. Er lässt sich von seinem Besitzer überall anfassen, kämmen, Zähne putzen, Pfoten, Ohren, Augen usw. untersuchen und eventuell verarzten. Er ist stubenrein, kann über mehr oder weniger lange Zeit auch mal allein bleiben, läuft ohne zu ziehen an der Leine und kann vom Tierarzt im Beisein seines Besitzers problemlos behandelt werden. Er kann sowohl in Straßenbahnen, Bus und Zug, in Restaurants, auf öffentliche, verkehrsreiche Plätze, Kinderspielplätze und in die Ferien ohne Probleme mitgenommen werden. Ein Hund, auch ein HSH, kann das alles lernen. Die meisten Hunde müssen dies auch lernen, sie können es nicht von sich aus. Ein Hund lernt im Allgemeinen gerne. Er muss einfach nur verstehen, was wir von ihm wollen. Wir sollten einen liebevollen Umgang pflegen, aber wir müssen ihm auch Grenzen setzen. Wir sollten ihn oft streicheln und knuddeln, aber wir müssen ihn zwischendurch auch korrigieren.

Ein Hund eignet sich nicht für die antiautoritäre Erziehung, weil er von Natur aus in einem hierarchischen Sozialverband leben muss. Dazu braucht es bei den meisten Hunden zwischendurch eine Korrektur. Wir dürfen aber niemals im Zorn handeln. Das versteht der Hund nicht. Wir sollten für unseren Hund 'Chef' sein. Ein guter Chef schreit nicht herum oder bestraft willkürlich. Ein guter Chef ist liebevoll, hat aber eine klare Linie, die er ruhig und sicher vertritt.

Heute machen viele Menschen das Gegenteil, man erzieht sie überhaupt nicht mehr. Sollte eine Korrektur nötig sein und wir diese auch durchführen, müssen wir keine Angst haben, dass unser Hund uns dann nicht mehr gern hat. Das Gegenteil wird der Fall sein. Ein Führer, der sich durchsetzen kann, einer, der wirklich führen kann, wird von seinem Hund über alles geliebt. Denn bei dem kann er sich sicher fühlen, zu diesem kann er Vertrauen haben. Ohne Respekt ist keine Liebe möglich!

Tut unser Hund etwas, dass wir nicht akzeptieren können, tut er das nicht extra, um uns zu ärgern. Er tut es, weil ihn seine Instinkte und sein bisherigen Lernerfahrungen dazu gebracht haben. Es hat deshalb keinen Sinn, wütend auf den Hund zu sein, sondern wir müssen uns überlegen, wie wir sein Verhalten ändern können. Ein Beispiel: Wir essen etwas. Unser junger Hund kommt und interessiert sich für das Essbare. Eine ganz normale Reaktion. Er schaut uns treuherzig an und winselt vielleicht noch. Wir werden weich und geben ihm ein Stück, er ist ja so herzig. Was hat unser Hund gelernt? Wenn wir etwas essen, bekommt er auch etwas. Ein gutes Gefühl! Gleichzeitig Erlebtes wird verknüpft. Hier haben wir eine positive Verknüpfung. Ein bestimmtes Verhalten wird belohnt. Je nach Ausdauer haben wir von nun an einen Hund, der uns jedes Mal anhimmelt oder noch etwas aufdringlicher wird, wenn wir etwas essen.

Es gibt zwei Arten dem Hund eine Verhaltensweise abzugewöhnen, durch Ignorieren oder Einwirken. Geben wir zum Beispiel unserem jungen Hund prinzipiell nie etwas, wird er mit der Zeit gar nicht mehr kommen, wenn wir etwas essen. Ignorieren funktioniert ziemlich rasch. Bei anderen Gelegenheiten müssen wir vielleicht einwirken. Wenn unser Hund etwas vom Tisch nehmen möchte. Wenn wir das ignorieren, werden wir nicht viel Erfolg haben. Trifft ihn aber etwas, das Lärm macht, am Körper oder fällt neben ihn auf den Boden, wenn er im Begriff ist, etwas vom Tisch zu nehmen, wird er erschrecken. Ein ungutes Gefühl! Er lernt Dinge auf dem Tisch zu ignorieren. Wir können ihn natürlich auch anschreien oder am Halsband wegreißen. Was würde er aber dann lernen? Er könnte lernen, dass wenn wir in der Nähe sind, den Tisch und alles was drauf ist, für uns zu beanspruchen. Aber wenn wir nicht da sind, könnte es sein, dass er dann trotzdem nimmt, was er möchte.

Es gibt also Gelegenheiten, da müssen wir sein Verhalten ignorieren, andere, da müssen wir 'unsichtbar' einwirken, hingegen bei Dominanzproblemen müssen wir direkt auf den Hund einwirken und ihn unterwerfen. Zeigt ein Hund Unsicherheit und wir versuchen ihn mittels Streicheln und sanften Worten zu beruhigen, wird er das als 'Lob' bzw. Zustimmung auffassen und es wird sein Verhalten verstärken. In so einem Fall ist ignorieren wirkungsvoller. Frisst der Hund Unrat auf der Straße oder versucht Katzen und anderem hinterher zu rennen, kommt die negative Einwirkung (nicht Strafe) am besten 'vom lieben Gott'. Versucht ein Hund aber, einen anderen Hund oder einen Menschen oder uns selbst anzuknurren oder gar zu beißen, müssen wir selbst einwirken und den Hund z.B. auf den Rücken legen. Wir demonstrieren damit, dass wir stärker sind und wir dürfen dabei auch nicht zimperlich sein. Ein Hund kann auch massive Einwirkungen, wenn sie berechtigt sind und der Hund versteht, worum es ging, gut verkraften. Der Hund in unserem Umfeld braucht einen guten Alltagsgehorsam, er ist für ihn lebenswichtig. Wir müssen uns darüber im klaren sein, was wir von unserem Hund erwarten. Und wir müssen uns eine Vorstellung davon machen, was machbar ist. Sie werden das Gebet von Friedrich Christoph Oetinger kennen: "Gott, gib mir Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden." Eines der weisesten Worte unserer Zeit.

Mit der Übernahme eines Hundes, haben wir auch eine Verantwortung übernommen und dies freiwillig. Der Hund ist von uns in vielerlei Hinsicht abhängig. Für einen Hund sind wir ein Leben lang verantwortlich für Futter, Wasser, Liebe, medizinische Versorgung und schlechtes Wetter. Er wird anders als ein Kind nie im Laufe der Zeit unabhängig. Wir sind für sein physisches und psychisches Wohlergehen verantwortlich. Dazu gehört neben ausreichender Beschäftigung, sprich 'Spaziergang' auch der soziale Kontakt, sprich 'Streicheln' und auch das Berücksichtigen einiger unangenehmer Faktoren wie Läufigkeit, 'Weibern' usw. Wir können es uns natürlich einfach machen und den Hund (Rüde oder Hündin) kastrieren lassen. Er oder sie wird umgänglicher, einfacher zu halten, vielleicht sogar anhänglicher usw. Ich bin jedoch nicht der Meinung, dass wir auf der Welt sind, um es sich uns zu einfach wie möglich zu machen. Wir müssen lernen, auf die Natur im Allgemeinen und auf die Natur des Hundes im Besonderen Rücksicht zu nehmen. Mit einer Kastration ist die Produktion der Hormone eingestellt. Hormone sind aber für das physische und psychische Wohlbefinden eines Lebewesens wichtig. Hormonstörungen können Schwindel, Kopfschmerzen, Wallungen, Depressionen und vieles mehr bewirken. Überlegen Sie es sich gut, bevor Sie an dem Ihnen anvertrauten Tier einen solchen schwerwiegenden Eingriff vornehmen lassen. Und glauben Sie nicht alles, was Ihnen Tierärzte erzählen! Sie haben die Verantwortung für Ihren Hund, nicht Ihr Tierarzt!

 


 

 

 Verhalten von Herdenschutzhunden

 

Herdenschutzhunde sind hoch territorial, defensiv verteidigungsbereit, selbständig und sehr intelligent. Zeigt ein Hund dieses Verhalten nicht, ist er entweder noch zu jung  oder er ist auf fremdem Gebiet. Außerdem haben sie eine sehr hohe Reizschwelle, das heißt, bevor ein Herdenschutzhund reagiert, muss relativ viel passieren. Das macht sie zum einem zu wunderbaren Familienhunden mit sehr viel Geduld gegenüber den Kindern, bedingt aber auch, dass ein Herdenschutzhund bei einem Kommando nicht gleich aufspringt und "Gewehr bei Fuß" steht, denn auch ein Kommando ist nur ein Reiz.

Wie verhält sich ein Herdenschutzhund auf fremdem Gebiet?

Dadurch, dass ein Herdenschutzhund so territorial ist, vermeidet er es nach Möglichkeit, selbst auf fremdes Territorium zu geraten. Ist er dennoch dazu gezwungen, so zeigt er deutliche Beschwichtigungssignale (klein machen, weg schauen, über die Lefzen lecken), drückt sich möglicherweise in ein Eck und getraut sich nicht, sich auf dem Terrain zu bewegen. Sobald es geht, wird er das Territorium des anderen verlassen. Kann er das nicht, steht er unter hohem Stress. Dieses Beschwichtigungsverhalten zeigen alle Herdenschutzhunde, unabhängig davon, ob sie ranghoch oder rangniedrig sind. Es dient der Vermeidung eines kämpferischen Konflikts mit dem nach Meinung des Herdenschutzhundes massiv verärgerten Territoriums Besitzer, denn genau so würde er selbst sich fühlen, wenn ein fremder Hund sein Territorium betritt. Gehört das Gebiet keinem bestimmten anderen Hund, so zeigen sich gut sozialisierte Herdenschutzhund souverän und ausgeglichen mit wenig Interesse an anderen Hunden oder Menschen

Wie verhält sich ein Herdenschutzhund auf dem eigenen Gebiet?

Wenn er gut sozialisiert ist und in einer klaren Beziehung zu seinem Besitzer lebt, wird der Herdenschutzhund, wenn sein Besitzer zuhause ist, den/das Fremde(n) melden und warten, dass sein Herrchen das Kommando übernimmt und entscheidet, was zu tun ist. Darf der Fremde herein, trollt sich der Herdenschutzhund in der Regel nach kurzem Beschnüffeln und interessiert sich nicht mehr dafür. Berühren sollte ein Fremder einen Herdenschutzhund niemals, außer der Hund fordert ihn deutlich dazu auf. Aber das gilt eben auch für alle anderen Hunde. Ist der Herdenschutzhund unzureichend sozialisiert oder der Status seines Besitzers unklar, so wird der Herdenschutzhund auch hier melden, sich allerdings nicht von seinem Besitzer leiten lassen, sondern das Heft in der Hand behalten. Die Möglichkeiten reichen hier vom Stellen des Besuchs über das Verfolgen bis hin zum Umwerfen und mit den Pfoten auf der Brust fixieren. Wehrt sich der Besuch, so kann der Hund eventuell auch zuschnappen. Ist der Herdenschutzhund alleine zuhause, so wird er dem Fremden den Zutritt verwehren oder ihn - wenn er aufs Grundstück gelangt ist, bevor der Hund ihn bemerkt hat - stellen und jede Bewegung des Fremden verhindern. Aktiv angreifen oder gar in Beschädigungsabsicht zubeißen wird er - sofern er nicht schwer verhaltensauffällig ist und der ungebetene Besuch defensiv-beschwichtigend reagiert - niemals. Allerdings wissen nicht alle Leute, wie man sich defensiv-beschwichtigend verhält, weshalb es angebracht ist, deutliche Warnschilder anzubringen. Aber auch das gilt für alle großen Hunde.

Wie verhält sich ein Herdenschutzhund beim Tierarzt?

Im Prinzip wie bei anderen Fremden auch: Er mag keine Berührungen und besteht auf einem gewissen Abstand - was naturgemäß Behandlungen dann doch etwas erschwert. Es ist daher von großer Wichtigkeit, dass schon der kleine Herdenschutzhund lernt, dass der Tierarzt - und auch etliche andere Menschen - Freunde sind und er sich anfassen lässt, zumindest wenn der "Chef" dabei ist. Da Tierärzte häufig negativ besetzt sind - wie der Zahnarzt für mich - empfiehlt es sich, ihn mehrfach aufzusuchen und die Besuche positiv zu besetzen. Aber auch das gilt für alle Hunde. Hier mit Leckerlis zu arbeiten ist zwar eine tolle Idee aber merke ein HSH ist unbestechlich. Hat man einen Hund, der das nicht gelernt hat oder muss man zu einem neuen Tierarzt, so empfiehlt es sich, den Hund zu sedieren (zuhause schon) und ihm einen Maulkorb anzulegen. Man selbst ist dann selbstsicherer - was sich auf den Hund überträgt - und der Hund kann ggf. tatsächlich nicht schnappen.

Wie verhält sich ein Herdenschutzhund im Konfliktfall?

Herdenschutzhunde gehen Konflikten aus dem Weg, solange es irgend geht. Lässt sich eine körperliche Auseinandersetzung nicht mehr vermeiden, kämpft der Herdenschutzhund zunächst nach Sumo Ringer-Manier: Mit vollem Körpereinsatz versucht er, den Gegner niederzudrücken, ohne ihn zu verletzen. Beißt der Gegner jedoch zu, ist beim Herdenschutzhund der Ofen aus: Zubeißen ist bei Herdenschutzhunden die aller letzte Möglichkeit - die Atombombe sozusagen. Zündet der Gegner eine, ist auch der Herdenschutzhund nicht mehr zu halten. Auseinandersetzungen unter Rüden sind sehr körperbetont, sehr laut und mächtig beeindruckend - passieren tut in der Regel nichts. Weder dem einen, noch dem anderen.

Spielverhalten des Herdenschutzhundes

Wie auch im Konfliktfall, so ist auch das Spielverhalten des Herdenschutzhundes sehr körperbetont: Anlauf nehmen, den Gegner um rempeln, aufsteigen (mit den Pfoten jeweils auf den Schultern des Gegenübers), all das fällt für einen Herdenschutzhund in die Rubrik "Spielen". Und dazu braucht er natürlich einen passenden Kumpel. Hunde, die ein anderes Spielverhalten haben, verlieren gewöhnlich nach sehr kurzer Zeit die Lust, mit einem Herdenschutzhund zu spielen oder bekommen gar Angst bzw. werden aggressiv, und dann kippt das Spiel in eine ernste Auseinandersetzung.

Welche Konfliktsituationen mit anderen Hunden kann es geben?

Schnell eskalierende Konflikte entstehen üblicherweise immer dann, wenn ein anderer Hund die Sprache des Herdenschutzhundes nicht versteht und umgekehrt. So ist es für einen Herdenschutzhund ein absoluter Affront, wenn jemand einfach so durch sein Territorium spaziert - für Meute Hunde z.B. den Beagle ist das aber etwas völlig Normales. Dann scheppert es oft, wenn das Gegenüber eine deutlich submassive Körperhaltung zeigt, sich dabei aber dominant benimmt. Das ist bei Schäferhunden oft der Fall, denen das submassive Aussehen an gezüchtet wurde. Ein weiterer "Turbo Booster" für hoch eskalierende Konflikte ist das Zubeißen des Gegenübers. Es gibt eine Vielzahl an Hunderassen, die schon mal zubeißen, um sich "Gehör" zu verschaffen, es aber gar nicht sooo ernst meinen. Wenn ihr Gegner dann ein Herdenschutzhund ist, heißt das für den "Kampf bis zum Letzten" und das zieht er dann auch durch. Weshalb der junge Herdenschutzhund unbedingt lernen muss, dass es viele andere Hunde gibt, die eine andere Sprache sprechen als er selbst. Am einfachsten geht das durch das Zusammenleben mit solchen Hunden. Geht das nicht, sollte man zumindest in der Sozialisationsphase des jungen Hundes täglich Freunde mit Hunden bemühen, einem da unter die Arme zu greifen.

Übrigens provoziert der Herdenschutzhund ungewollt auch selbst: Durch der über den Rücken getragen Rute, seinen schreitenden Bewegungsablauf (=> Passgang) und seine Mähne. All das ist unter Hunden ein deutliches Anzeichen für "auf Krawall gebürstet sein".

Herdenschutzhunde sind pauschal eben keine idealen Haus- und Familienhunde, es sind Caniden der besonderen Art.

 

 

   
© Claudia Weber Überarbeitet seit 2010